Laurent Chétouane (Choreograf) & Tommaso Tosato (Neurowissenschaftler)

20. Oktober 2018 | 20 Uhr | Residenz (Schauspiel Leipzig)

Wie beeinflusst der Gehörsinn unsere Bewegungen und den Körper im Allgemeinen? Können wir Bewegungen hören? Bewegung wird anders empfunden, wenn die visuelle Wahrnehmung des Körpers fehlt. Aber wie sieht ein Tanz aus, der allein aus der auditiven Wahrnehmung heraus geschaffen wird? In seinem letzten Stück “Invisible Piece #1” untersuchte Laurent Chétouane die Verbindung zwischen Hören und Bewegen und entwickelte eine Choreografie, die das Hören der Bewegung ins Zentrum der Beziehung zwischen den Tänzern stellt.
Der Neurowissenschaftler Tommaso Tosato arbeitet am Ernst Strüngmann Institut für Neurowissenschaften (Frankfurt a. M.). Dort erforscht er das Konzept der Gehirnzyklen und die Idee, dass die Gehirnaktivität einer Rhythmik unterliegt, die uns befähigt, Bewegungen wahrzunehmen und zu initiieren. Die Synchronisation dieser Zyklen hat Tosato während des Sprechens und der Kommunikation im Allgemeinen beobachtet. Er geht davon aus, dass die Synchronisation von Gehirnrhythmen zur Feinabstimmung während des Sprechens dient und das Verständnis in einer Kommunikation verbessert.
In ihrem Gespräch wenden Chétouane und Tosato diese Idee auf den Tanz und die Wahrnehmung von Tanz an. Sie möchten zeigen, dass eine solche Synchronisation ebenso stattfindet, wenn Menschen, zum Beispiel als Mitwirkende einer Choreographie, denselben Raum und dieselbe Zeit teilen. Der Dialog gibt somit Einblicke in die unbewussten Prozesse, aus denen interindividuelle Beziehungen auf der Bühne, in Choreographie und Theater sowie in unseren sozialen Kontexten entstehen.

Das Gespräch findet in englischer Sprache statt.
Eintritt frei, Spendenempfehlung 6 €.

Hier geht’s zum Trailer der Reihe:

Der Choreograf und Regisseur Laurent Chétouane (Frankreich/Deutschland) realisiert seit 2000 zahlreiche Inszenierungen an großen europäischen Bühnen, seit 2006 zudem Tanz-Projekte mit internationalen Gastspielen u. a. in Japan und Russland. Seit vielen Jahren ist er als Gastdozent und -professor an künstlerischen Hochschulen tätig. 2008 erhielt Chétouane die Wild Card der RUHR. In 2008 und 2010 den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für hervorragende junge Künstler.
Der Neurowissenschaftler Tommaso Tosato arbeitet seit 2015 auf dem Gebiet der kognitiven Neurowissenschaften am Ernst Strüngmann Institut in Frankfurt. Er erforscht die visuelle Wahrnehmung beim Menschen und bezieht sie auf Gehirnrhythmen. Dabei arbeitet er regelmäßig mit KünstlerInnen aus den Bereichen Tanz und Neurowissenschaften zusammen.

Eine Veranstaltung des Zentrums für Bewegliches Denken in Kooperation mit 4fürTanz e.V.

Gefördert vom Kulturamt der Stadt Leipzig